Klinik im Hofgarten
Fachklinik für Orthopädie und Sportmedizin
 
 
 
 

REHA LEITLINIEN FÜHREN UND WIRTSCHAFTEN

Faxausstieg bis 2038

Berlin - Wissen Sie, was ich gerade gemacht habe? Wieder mal gesetzeskonform die Zahl unserer Coronapatienten per Fax an das zuständige Gesundheitsamt weitergemeldet. Deutschland hat seine Zukunft gewählt – und die Gesundheitsämter – zumindest in Baden-Württemberg - schreiben einander weiterhin Liebesbriefe per Fax. 
Mehr als zwei Drittel der Menschen unseres Landes halten übrigens die Gesundheitspolitik für ebenso wichtig wie die Wirtschaftspolitik, ergaben Umfragen vor der Wahl. Trotzdem wurden der Notstand in der Pflege, die maroden Kassenfinanzen oder die stolpernde Digitalisierung im Kliniksektor abseits von Corona im Wahlkampf weniger öffentlich diskutiert als noch vor vier Jahren. Das spiegelt die Politik der letzten Jahre wider: bemüht, aber nicht entschieden genug hat die große Koalition bei vielen Themen agiert. Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt wie zum Beispiel das Schulgeld für Azubis in Gesundheitsberufen. Dessen Abschaffung stand im Koalitionsvertrag, jetzt haben wir manche deutschlandweit Teillösung – und die meisten warten jedoch immer noch auf einen bundeseinheitlichen Beschluss …   
  
 

Keine neuen Fragen durch Corona

 
Die Leidtragenden sind unsere Patienten, weil in Rehakliniken Physiotherapeuten fehlen. Wollen wir wirklich mehr Fachkräfte im Gesundheitswesen? Bisher war die Antwort aus Berlin ein entschiedenes: VIELLEICHT… Zukunftsträchtiges ist in den letzten Jahren jedenfalls gefährlich unbearbeitet geblieben, wie das Thema digitale Schnittstellen, wie meine leider immer noch regelmäßigen Behörden-Faxe belegen. Dabei hat uns Corona gar keine neuen Fragen gestellt, sondern gezeigt, wie dringend wir Antworten auf die bisherigen gesundheitspolitischen Fragen benötigen.   
  
 

Wo bleibt die Reha in Wahlprogrammen?

 
Egal wie das Bundeskanzleramt geflaggt sein wird – die Aufgaben bleiben dieselben wie vor der Wahl. Und da kann uns der Minimalkonsens, die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen politischen Nenner, wie in den letzten vier Jahren, wirklich nicht helfen.  
Wird das eine der teuersten Wahlen gewesen sein? Wahrscheinlich – jedoch nicht wegen der vielen Briefwähler, sondern wegen der Kosten, die auf uns alle hinterher zukommen. Und erreichen wir mit einem deutlichen Mehr an Geld, wie es zum Beispiel die Pflegereform mit Tarifbindung für Pflegekräfte bringt, auch mehr Zufriedenheit bei den Pflegenden – und mehr Menschen, die in diesem Beruf bleiben oder sich für ihn entscheiden? Nein – ob in der Reha oder im Akutbereich, wir benötigen einen ausgewogeneren Qualifikationsmix und endlich unterschiedliche Berufsgruppen, die Aufgaben übernehmen, die bisher eine Pflegekraft allein stemmt. Hier brauchen wir unbedingt Fachgesellschaften und Berufsverbände, die sich an international übliche Aufgabenverteilung gerade im Bereich Pflege heranwagen. Denn es reicht eben nicht, in ein Wahlprogramm zu schreiben, dass jedes Krankenhaus demnächst 52 Pflegekräfte mehr bekommt und jedes Pflegeheim sechs. Und die Reha? Die kommt in solchen Aufstellung gar nicht vor.   
  
Es braucht mehr als nur eine Legislaturperiode - wir brauchen endlich eine große Reform, deren Inhalt von Praktikern, nicht von Politikern formuliert sein sollte! Vielleicht sind ja themenbezogene Mehrheiten und nicht die Klammerung an Wahlprogramme oder Koalitionsverträge der richtige Weg, um den gesundheitspolitischen gordischen Knoten zu durchschlagen.   
  
Ellio Schneider  
  
 
Artikel aus: F & W Oktober 2021.  
  
 
  
  
Veröffentlicht am: 15.11.2021  /  News-Bereich: News des Klinikverbundes
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